Kapitel 5 – Die weiße Stadt

Weltausstellung 1893, Chicago1893 veranstaltet Chicago die bisher größte Weltausstellung im Zeichen der industriellen Revolution.Das Ausstellungsgelände verbraucht mehr Strom als der Rest Chicagos. Die über einhunderttausend leuchtenden Glühbirnen, Bogenlampen und Neonleuchten geben dem Ausstellungsgelände bald den Namen „Weiße Stadt“.

Die gesellschaftlichen Umwälzungen der Industriellen Revolution sind ohne die breite Elektrifizierung aller Bereiche undenkbar. Großunternehmen entstehen, andere Erwerbszweige, wie die Eisindustrie, verschwinden völlig. Die Herstellung künstlichen Eises ist billiger geworden. Das Fließband, Sinnbild der Fabrikarbeit, ist ohne die Elektrifizierung unvorstellbar. Industrieingenieure wie Frederick W. Taylor versuchen, die Arbeiter/innen zu funktionierenden, gehorsamen Zahnrädern im Produktionsablauf zu machen. Sinnbild der Massenproduktion ist die Einführung des Fließbandes bei Henry Ford 1913. Die explodierende industrielle Produktivität, einhergehend mit erkämpften höheren Lohnforderungen seitens der Arbeiter/innenklasse sind Voraussetzungen für die Entwicklung einer breiten amerikanischen Mittelklasse. Die Automobilindustrie entwickelt sich um die letzte Jahrhundertwende zu der Schlüsselindustrie in der kapitalistischen Entwicklung. In den 1920er Jahren kostete ein Model T-Auto 290 Dollar. Billige Elektrizität, billige Autos und billiges Benzin lösen einen Exodus in die Vorstädte aus.

Der häusliche Arbeitsplatz der Frauen verändert sich genauso einschneidend wie die industriellen Produktionsbedingungen. Das elektrische Bügeleisen ist das erste kommerziell entwickelte Haushaltsgerät. Es macht den schweren Keil aus Schmiedeeisen überflüssig, der über einem heißen Ofen erhitzt wird. Die Vielzahl der häuslichen Küchenhelfer rationalisiert allerdings eher die Arbeit der angestellten Küchenhilfen weg, die ihrerseits Jobs in der Industrie suchen. Aktuelle Studien, wie eine Studie des National Bureau of Economic Research, stellen eine durchgehende gleich bleibende Stundenanzahl der Hausfrauen zwischen 1910 bis in die 60er Jahre fest.

Sie beträgt zwischen einundfünfzig und sechsundfünfzig Stunden die Woche.Die Elektrifizierung ändert die Natur der Frauenarbeit, nicht ihren Umfang.

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