Praxisworkshop: Jabber – vertraulich kommunizieren

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 Vertraulich im Internet kommunizieren

Gab es eine heile Welt vor Snowden? Leben wir nach den Enthüllungen im digitalen und globalen 2084?

Sicher ist, dass wir den Schutz und das Recht auf vertrauliches Kommunizieren nicht delegieren sollten. Werkzeuge dafür stehen uns zur Verfügung. Dieser Artikel stellt für jeden verständliche Programme und Netzwerkprotokolle vor, mit denen vertrauliche Kommunikation nach dem heutigen Stand des Wissens praktisch umsetzbar ist.

Vertrauliches Chatten ist keine Geheimwissenschaft

Man muss kein Nerd sein, um vertraulich kommunizieren zu können. Mithilfe dieses Workshops sollte es für jede(n) möglich sein, vertraulich nach dem heutigen Stand der Technik zu kommunizieren.

Chatten, Ursprünge und Gegenwart

Chats gehören zu den Urgesteinen des Internets. Der Internet Relay Chat wurde in den 1980er Jahren vom finnischen Studenten Jarkko Oikarinen entwickelt. 1 Seitdem wurde die elektronische Kommunikation in Echtzeit ständig weiterentwickelt.

Jeder von uns dürfte schon einmal WhatsApp, AIM (AOL Instant Messenger), Skype, Jabber  oder den Yahoo Messenger genutzt haben. Obwohl uns all diese Applikationen die digitale Kommunikation untereinander ermöglichen, gibt es riesige Unterschiede bei diesen Anbietern, was die Wahrung unserer Privatsphäre und unser Recht auf informationelle Selbstbestimmung angeht.

Unüberschaubares Angebot – doch nur wenige Perlen

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Wie finde ich die richtige Software?

Auf diese Frage gibt es eine ganz klare und eindeutige Antwort. Der Quelltext der Software muss allen öffentlich zugänglich sein
(Qualitätssicherung, keine Backdoors möglich oder zumindest die Möglichkeit, diese aufzuspüren). Diesen Mindeststandard vertritt die Open Source Initiative (OSI).2
Die Free Software Foundation (FSF) stellt eher den politischen und gesellschaftlichen Nutzen freier Software in den Vordergrund. 3 4

 Proprietäre Software – nein danke!

Quelloffene Software für seine Bedürfnisse zu finden, kann zeitaufwendig sein. Wer sich auf die Google Suche verlässt, findet eher die großen Dienste-Anbieter mit ihrer proprietären Software. Schauen wir uns ICQ oder den Google Talk-Nachfolger Hangouts an. Ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (meist ganz unten auf der Website, die kaum lesbare Schrift in Fontgröße 3) offenbart den Preis, den wir für die vermeintlich „kostenlosen Dienste“ zahlen. Chatten wir mit den Google Inc. gehörenden Google Hangouts, stimmen wir praktisch einem Abtreten unserer Chat-Inhalte zu:

„Wenn Sie Inhalte in unsere Dienste hochladen oder auf andere Art und Weise in diese einstellen, räumen Sie Google (und denen, mit denen wir zusammenarbeiten) das Recht ein, diese Inhalte weltweit zu verwenden, zu hosten, zu speichern, zu vervielfältigen, zu verändern, abgeleitete Werke daraus zu erstellen (einschließlich solcher, die aus Übersetzungen, Anpassungen oder anderen Änderungen resultieren, die wir vornehmen, damit Ihre Inhalte besser in unseren Diensten funktionieren), zu kommunizieren, zu veröffentlichen, öffentlich aufzuführen, öffentlich anzuzeigen und zu verteilen. Diese von Ihnen im Rahmen dieser Lizenz gewährten Rechte dienen ausschließlich zur Durchführung, Förderung und Verbesserung unserer Dienste sowie zur Entwicklung neuer Dienste. Diese Rechtseinräumung bleibt auch dann bestehen, wenn Sie unsere Dienste nicht mehr verwenden, z. B. bei einem Brancheneintrag, den Sie in Google Maps eingefügt haben…! 5

Ähnlich gravierende Enteignungsforderungen stellen die AGB’s von ICQ, dem GMX MultiMessenger und vieler anderer Anbieter.

Falls mir diese Abtretungsforderungen in den klein gedruckten Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht gefallen, muss ich nach Alternativen suchen. Gibt es Anbieter, die mit quelloffener Software arbeiten und die den Anspruch haben, dass Software nicht primär dem Profit dienen soll?

XMPP ist quelloffen und frei – auch unter dem Namen Jabber bekannt

Das quelloffene, freie Chatprotokoll namens Extensible Messaging and Presence Protocol (XMPP)wird von der XMPP Standards Foundation gepflegt und weiterentwickelt. Es ist auch unter dem Namen Jabber bekannt, den sein Erfinder und Programmierer Jeremie Miller 1998 seinem quelloffenem Programm gab. Das Logo der XMPP Standards Foundation seht ihr am Beginn dieses Artikels.

2 https://opensource.org
3 https://www.fsf.org
https://fsfe.org
https://www.google.com/intl/de/policies/terms/
6 https://de.wikipedia.org/wiki/Extensible_Messaging_and_Presence_Protocol